Unfassbares Spiel – knappe Niederlage in Schweinfurt

2 Dez

„Mit jeder Minute und jedem Gegentor mehr hatten wir ein schlechteres Gefühl!“ Thomas Kasparetti, Trainer des Fußball-Regionalligisten 1860 Rosenheim versuchte rund 45 Minuten nach einem historischen Spiel, das zu erklären, was da passiert war.

Schweinfurt– Seine Rosenheimer, die auf Matthias Heiß verzichten mussten, tanzten noch in der 65. Minute, standen vor einem Sensations-Kantersieg und führten beim Favoriten in Schweinfurt sensationell mit 3:0. Am Ende von 96 aufregenden Minuten saßen die Sechziger doch konsterniert auf dem tiefen Rasen des Schweinfurter Willy-Sachs-Stadions. Was war passiert?

„Nach dem ersten Gegentor hatten wir gehörig Respekt, sind immer tiefer gefallen“, erkannte der Trainer der Gäste, der gewiss nach dem 3:0 seiner Elf nach einem Konter durch Laurin Demolli, der aus Abseitsposition auf Luis Zwick zulaufend den FC 05-Keeper herrlich überlupfte, auch an den Coup glaubte. Kurz zuvor hatte Georg Lenz nach einer Ecke Zwicks Unsicherheit ausgenutzt. Und AchitpolKeereerom traf bereits kurz vor der Pause zum 0:1 in einem verrückten Spiel mit bereits vor der Gästeführung einem Pfostenschuss von Tim Danhof und dem zweiten durch Stefan Kleineheismann gleich danach.

Verrückt, dass mit der Einwechslung des Schweinfurters Florian Pieper und einer damit verbundenen Systemumstellung erst die zwei weiteren Rosenheimer Tore fielen und auch Pieper den Pfosten traf. Verrückt auch deshalb, weil alles, was der 26-Jährige, der letzte Saison nur ein Tor erzielte, anfasste, zu Gold wurde. Oder anders ausgedrückt: Jeder Ball passte. Kopfbälle zum 1:3 und zum 2:3 machten neue Hoffnungen, beim 3:3 schon in der 91. Minute rutschte Pieper der als Flanke gedachte Ball ab und senkte sich in den Winkel. Und als ob damit noch nicht genug wäre, traf der Stürmer auch noch in der 95. Minute zum 4:3. So lange wurde gespielt, weil sich die Rosenheimer bei allen ruhenden Aktionen ziemlich viel Zeit nahmen.

„Da komme ich rein und wir fressen erstmal zwei Dinger…“, gab der Matchwinner anfangs schlechte Gedanken zu. „Aber wir haben uns reingearbeitet, waren qualitativ klar besser. Das war ein Mentalitätsspiel, das wir letzte Saison sicherlich nicht gewonnen hätten“, so Pieper. Doch vor allem unter dem neuen Trainer Tobias Strobl klappt es halt. Vier Spiele, vier Siege, 14:3 Tore – im Vergleichskampf mit Hansi Flick, der mit ihm bei Bayern München übernahm, hat der Rosenheimer Ex-Coach seit Samstagabend nun die Nase vorne. „Wahnsinn, was wir auf den Rasen gezaubert haben“, sprach der 32-Jährige von einem „mega Gefühl“

Anders die Gäste: „So eine Partie wird auch im Kopf entschieden. Irgendwann glaubt man nicht mehr an die 60 Minuten, in denen wir dagegen halten konnten. Da weiß man dann beim Gegner, dass nach dem 3:3 auch noch das 4:3 geht. Da kamen viele lange Bälle in den 16er, die wir im Keim schon hätten ersticken müssen. Doch das haben wir nicht geschafft“, analysierte Thomas Kasparetti. Emotional angeschlagen gab er gleich nach der Partie aber zu, schon registriert zu haben, was Schweinfurt investiert hatte für die Wende.

„Ich bin trotzdem unheimlich stolz auf die Mannschaft und die Leistung, die sie hingelegt hat.“ Fair gab Rosenheims Trainer, das Spiel im Gesamten betrachtend, zu: „Das ist doch der Grund, warum wir den Fußball so sehr lieben!“

Auch die U19 der Rosenheimer verlor nahezu parallel auf dem Kunstrasenplatz im Willy-Sachs-Stadion. Sogar mit 0:3. Wenigstens aber musste sich die A-Jugend des TSV 1860 keine dramatische Wende verdauen…

1860 Rosenheim:Pfister – Köhler, Moser, Lenz, Mayerl – Shabani, Madsen – Linner, Demolli (78. Merdan), Mushkolaj (76. Neumeier) – Keereerom (90.+2 Albrich); Trainer: Kasparetti.

Tore: 0:1 (39.) Keereerom, 0:2 (63.) Lenz, 0:3 (65.) Demolli, 1:3, 2:3, 3:3, 4:3 (71., 84., 91., 90.+5) Pieper.

Schiedsrichter: Tobias Wittmann (Wendelskirchen).

Zuschauer: 849

Quelle: OVB